Uns wurde ein Text zugesendet, der von einer betroffenen Schülerin unserer Schule geschrieben wurde.
Meine Kindheit war geprägt von schwierigen Verhältnissen. In meiner Heimat war es schön, jedoch gab es viele Probleme. In meinem Viertel waren Diebstähle, Überfälle und andere Gefahren üblich. Eins war klar, eine gute Zukunft kann uns dieses Land nicht bieten. Meine Eltern kamen zu dem schweren Entschluss, unsere Heimat zu verlassen.
Ich war 6, als wir nach Deutschland kamen. Ich weiß noch, die ersten paar Monate, die langen Nächte im Flüchtlingsheim, die fremde Kultur und die fremde Sprache, die mich oft zum Schweigen brachte. Ich fühlte mich fremd und ausgeschlossen. Mein schlechtes Deutsch machte es schwer, Freunde zu finden oder überhaupt zu kommunizieren.
Nach ein paar Monaten gewöhnte ich mich an das Leben im Flüchtlingsheim, zusammen mit vielen anderen Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen zu sein, die genauso kein Deutsch sprachen, wie ich, fand ich schöner als draußen, da ich niemanden verstand. Draußen beim Spielen, sah ich aber die angeekelten Blicke der anderen. Sie liefen vorbei, als wäre es ein Zoo voller wilder Tiere. Im Flüchtlingsheim, wo ich 5 Jahre lang lebte und neunmal umzog, gab es keinen Rassismus, da jeder aus dem selben Grund hier war: der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Außerhalb aber durfte ich schon in einem sehr jungen Alter Rassismus erleben. Angeekelte Blicke, wenn ich meine Sprache sprach, die Kommentare, wenn ich was falsch aussprach oder erwähnte, dass ich im Flüchtlingsheim wohnte.
Dass ich stark gläubig war und bin, machte es nur noch schlimmer. Mir wurde gesagt, meine Religion sei doch genau wie der Islam, nur eine Religion, voller Terroristen, und ich solle mich aus Deutschland verpi**en, da ich ja nur Terror wäre. Sie zogen meiner Freundin das Kopftuch runter und lachten sie aus.
Ich fing an, mich anzupassen, meine Kultur zu unterdrücken und nicht zu erwähnen, dass ich im Flüchtlingsheim wohnte. Meine Freunde zu mir einzuladen, kam nicht in Frage.
Heute bin ich 14 Jahre alt, spreche besseres Deutsch und lebe in einer guten Gegend. Nichtsdestotrotz erlebe ich mehr als genug Rassismus und werde immer noch schief angeschaut, wenn ich meine Sprache spreche.
Mir persönlich macht es aber nichts aus, weil ich weiß, dass jeder mit seinen Taten vor Gott stehen wird.
Wenn du ähnliche Erfahrungen machst oder gemacht hast, findest du hier Hilfe:
Baden-Württemberg: LEUCHTLINIE - Beratung für Betroffene von rechter Gewalt in Baden-Württemberg
Landesweite Fach- und Koordinierungsstelle
Reinsburgstraße 82
70178 Stuttgart
Telefon: 0711 - 888 999 30
E-Mail: kontakt@leuchtlinie.de
Webseite: www.leuchtlinie.de
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